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Automobil FMEA
  FMEA, Einleitung
  Beispiel1: Mil-STD-1629 Piece Part FMEA
 
Beispiel2: Mil-STD-1629 Criticality Analysis
  Beispiel3: Automobil FMEA
  Grundsätzliche Schwierigkeiten mit FMEAs

Der folgende FMEA Typ stammt von IEC 60812, Annex B. Dieser und ähnliche FMEA Typen kommen in der Automobilindustrie zum Einsatz.
Das wesentliche Ziel dieser FMEA ist eine Fehlersammlung mitsamt der Dokumentation der Wirksamkeit der Abstellmassnahmen, was an den rechten Spalten gut zu erkennen ist. Die Spalten 1,2,3, 9 und 10 lassen für den Fachmann erkennen, dass dieser FMEA Typ für elektronische Systeme gedacht ist. 

IEC 60812 Annex B


Spaltentitel
Erläuterungen

1,2,3
Item/Function, unterteilt in Subsystem, Assembly und Component.
Zur hierarchischen Gliederung der FMEA. Es stehen drei hierarchische Abstufungsmöglichkeiten zur Verfügung, von denen nicht immer notwendigerweise alle verwendet werden müssen.

4 Potential Failure Mode
Mögliche Fehler der Komponente
Pro Komponente (3) kann es mehrere Failure Modes geben
5,6
Potential Effect(s) of failure
Die Auswirkungen des Fehlers auf unterschiedlichen Ebenen. Bei umfangreichen Betrachtungsgegenständen  kann sich der Final Effect auf die Systemebene, und Local Effect auf eine Baugruppe beziehen. Bei kleineren Betrachtungsgegenständen kann sich Local Effect auf ein einzelnes Bauteil beziehen, und Final Effect auf eine Baugruppe beziehen.
Pro Failure Mode (4) kann es mehrere Effekte geben
7
SEV
Severity, Bedeutung.
Wie schlimm sind die möglichen Folgen des Fehlers. In der Automobilindustrie sind 10 Stufen üblich, wobei 1 = keine Folgen, und 10 = mehrere Tote bedeutet.
In SAE-J-1739 gibt es für verschiedene FMEA Typen ausführliche Bewertungstabellen.
Grössere Firmen haben zum Teil ihre eigenen Bewertungstabellen.
Bezieht sich auf den Failure Mode (4)
8
CLASS
Classification.
Alternativ zu Severity verwendbar. Typischerweise 5 Stufen: Negligible, Minor, Major, Critical und Catastrophic.
Bezieht sich auf den Failure Mode (4)
9
Potential causes / mechanisms of failure
Mögliche Ursachen des Fehlers.
Einträge sollten kurz, präzise und standardisiert sein, um später das Sortieren und Filtern zu erleichtern.
Falls mehr Details notwendig sind, siehe Spalte 10.
Die Ursachen sollten sich entweder auf die Failure Modes (4), oder die Effekte (5,6) beziehen. Das muss vorher klar festgelegt werden.
10
Detail causes / mechanisms of failure Etwas ausführlichere Beschreibung der möglichen Ursachen des Fehlers
11
Occur
Occurence, Auftreten.
Auftretenswahrscheinlichkeit oder -häufigkeit des Fehlers. In der Automobilindustrie sind 10 Stufen üblich, wobei 1 = Tritt nie auf, und 10 = tritt mit Sicherheit auf bedeutet.
In SAE-J-1739 gibt es für verschiedene FMEA Typen ausführliche Bewertungstabellen.
Grössere Firmen haben zum Teil ihre eigenen Bewertungstabellen.
Bezieht sich auf den Failure Mode (4)
12
Current design controls, prevention
Produkt-, Prozess- usw. Eigenschaften, die darauf abzielen, diesen Fehler zu vermeiden.
Beispiel: Verwendung einer Komponente, die unempfindlich gegenüber genau diesem Fehler ist.

13
Current design controls, detection Produkt-, Prozess- usw. Eigenschaften, die darauf abzielen, diesen Fehler aufzudecken, bevor das Produkt beim Kunden in Gebrauch ist. Beispiel: Jedes Produkt wird am Schluss einem definierten Stresstest unterzogen.

14
Detec
Detection, Entdeckung.
Wahrscheinlichkeit, dass eine Prüfmassnahme, Endtest, wiederkehrende Diagnose, usw. den Fehler aufdecken.
In der Automobilindustrie sind 10 Stufen üblich, wobei 1 = Prüfmassnahme deckt den Fehler in jedem Fall auf, und 10 = Prüfmassnahme deckt den Fehler in keinem Fall auf / Es gibt keine geeignete Prüfmassnahme bedeutet.
In SAE-J-1739 gibt es für verschiedene FMEA Typen ausführliche Bewertungstabellen.
Grössere Firmen haben zum Teil ihre eigenen Bewertungstabellen.
Bezieht sich auf den Failure Mode (4)
15
RPN
Risk Priority Number, Risikoprioritätszahl (RPZ)
Das Produkt aus Severity, Occurence und Detection, demnach ein Wert zwischen 1 und 1000.
Konventionsgemäss ist ein Fehler dann akzeptabel, wenn seine RPN kleiner als 125 oder 60 ist.
Obwohl dies weltweite Konvention darstellt, ist es dennoch kein gutes Mass um die Bedeutung von Fehlern zu beschreiben.
Die RPN Werte dürfen in keinem Fall wörtlich genommen werden und können höchstens als Anhaltspunkt dienen.
Der Grund dafür liegt darin, dass das Skalenniveau der Bewertungstabellen in den meisten Fällen lediglich ordinaler Natur, die Abstufungen also nicht gleichmässig sind, und oft sogar überhaupt nicht quantitativ einordenbar sind. Erschwerend kommt hinzu, dass bei Severity völlig unterschiedliche Dinge (z.B. Aussehensfehler und funktionale Fehler) auf einer einzigen Skala abgebildet werden. 
Konstellationen, in denen eine höhere RPN bei genauem Hinsehen in Wirklichkeit akzeptabler ist als eine niedrigere, kommen daher häufig vor. Dies wird in einem eigenen Kapitel näher beschrieben.
Bei diesem FMEA Typ ist die RPN Spalte in den meisten Fällen die letzte ausgefüllte Spalte, da die RPN Werte in der Regel kleiner als die festgelegte Obergrenze sind.
Bezieht sich auf den Failure Mode (4)
16
Recommended Actions
Falls die RPN grösser ist als 125 (oder 60):
Verbesserungsvorschläge, die diesen Fehler adressieren.
Es können Severity, Occurence oder Detection verbessert werden.

17
Responsibility and target completion date
Falls die RPN grösser ist als 125 (oder 60):
Wer ist für die Verbesserungsmassnahme verantwortlich, und bis wann muss die Massnahme umgesetzt sein.

18 - 22
Action results
Beschreibung der Ergebnisse der Verbesserungsmassnahme.
Neubewertung von Severity, Occurence und Detection, sowie Neuberechnung der RPN unter Berücksichtigung der umgesetzten Verbesserungsmassnahme.
Die neue RPN muss nun kleiner als 125 (oder 60) sein.
Bezieht sich auf den Failure Mode (4)

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