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IEC 61508
  Funktionale Sicherheit, Einleitung
  Sicherheit vs. Zuverlässigkeit
  IEC 61508
  ISO 13849
  IEC 61508 vs. ISO 13849

  Abschliessende Bewertung

IEC 61508 spielt in der funktionalen Sicherheit eine Schlüsselrolle. Diese Norm gilt für Hersteller / Lieferanten / Inverkehrbringer, die die Konformität ihrer Produkte mit entsprechenden (nicht regulierten und daher oft wenig aussagekräftigen) Sicherheitszertifikaten darlegen. Es kommt vor, dass wesentliche Aussagen sich hinter Dingen verbergen, die nicht auf dem Zertifikat erwähnt werden.

Für Anlagenbauer gilt statt der IEC 61508 die sehr ähnlich aufgebaute Norm IEC 61511. 


Wie alle Prozess- Management- oder Verfahrensstandards ist IEC 61508 generisch gehalten, d.h., er sagt nichts darüber aus, wie bestimmte Produkte zu entwickeln sind, sondern legt grundsätzliche Kriterien fest, die ein Entwicklungsprozess erfüllen muss. Bekanntestes Beispiel für einen Prozessstandard ist ISO 9001.


IEC 61505 ist sowohl der erste Standard mit nennenswerter internationaler Beachtung, als auch bislang der umfangreichste. Alle weiteren inzwischen etablierten funktionalen Sicherheitsstandards sind an den IEC 61508 angelehnt, oder von ihm abgeleitet.
Obwohl der IEC 61508 eine möglichst allgemein gehaltene Norm darstellt, also nicht branchenspezifisch gestaltet ist, ist er zumindest formell auf elektrische Systeme ausgerichtet. Er trägt in der Originalsprache nämlich den Namen

Functional safety of electrical / electronic / programmable electronic safety related systems,

was man zu Deutsch wie folgt wiedergeben kann:

Funktionale Sicherheit von elektrischen / elektronischen / programmierbar elektronischen sicherheitsbezogenen Systemen

Die Ausrichtung auf elektrische Systeme stellt aus praktischer Anwendersicht ist allerdings keine Einschränkung dar, denn alle wesentlichen Facetten dieser Norm lassen sich ohne Weiteres auf andere Systemarten übertragen, z.B. Hydraulik, Pneumatik, oder Mechanik im Allgemeinen.
Der eigentliche Grund für die Fokussierung auf elektrische Systeme dürfte eher in folgenden Punkten liegen:
  1. Der Bereich Elektrik verfügt über weitaus mehr Gestaltungsspielraum und Realisierungsmöglichkeiten als andere Systemarten, und als Folge davon lauern gerade dort besonders viele potentiell gefährliche Risiken.
  2. Die weitaus meisten funktionalen Sicherheitseinrichtungen lassen sich überhaupt nur elektrisch realisieren.
Die Norm IEC 61508 wurde 1998 veröffentlicht, ihre Ursprünge, zumindest Teil 1, gehen allerdings auf die deutsche, längst zurückgezogene Norm DIN 19250 zurück.
Die grundsätzliche Motivation für die Notwendigkeit einer funktionalen Sicherheitsnorm entstand aus den Lehren mehrerer durch Menschenhand verursachter Katastrophen, wovon der Piper Alpha Unfall wohl der anschaulichste ist.

IEC 61508 ist ein so genannter Schirmstandard. Es gibt inzwischen mehrere funktionale Sicherheitsstandards, die direkt von ihm abgeleitet sind und zum Teil branchenspezifisch ausgerichtet sind. Allen ist gemein, dass sie wesentlich weniger umfangreich wie der IEC 61508 sind, und im Gegensatz zu ihm den Schwerpunkt etwas mehr auf die praktische Anwendbarkeit legen, und weniger auf Punkte, die es zu ermitteln und zu beachten gilt.
Folgende Tabelle listet ein paar Beispiele auf von aus dem IEC 61508 abgeleiteten funktionalen Sicherheitsstandards

Norm
Beschreibung
IEC 61508
Schirmstandard. Gilt automatisch, wenn keine spezielleren Normen gefordert sind, oder wenn es keine branchenübliche Norm gibt.
IEC 61511
Modifizierter IEC 61508 für Anlagenbauer und Prozessindustrie. Ist etwas pragmatischer, indem er (vereinfacht gesagt) z.B. relativ schlechte Systemkomponenten zulässt, die dafür aber höher redundant vorhanden sein müssen.
ISO 13849 Branchenübergreifende, relativ kompakte Norm
"Sicherheit von Maschinen - sicherheitsbezogeneTeile von Steuerungen".
Wird deshalb oft gerne gewählt, da sie kurz gehalten ist, dennoch alle grundsätzlichen Aspekte zumindest erwähnt, und daher leicht anwendbar ist.
Besonderheit ist die Sicherheitseinstufung mit zwei statt einem Parameter: Kategorie und Performance Level.
EN 50128 bzw. EN 50129
Bahnspezifische Normen für Software bzw. Hardware
ISO 25119
Vereinfachter ISO 13849 (siehe zwei weiter oben) für Landmaschinen. 4 statt 2 Normteile und daher spezifischer.
ISO 26262
Automobiler Standard. Automotive SIL (ASIL) anstelle von SIL.

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